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Westfälische Nachrichten. 24. Januar 2012

Herzzerreißend schön

Gelungener Auftakt der Konzertreihe "Kleine große Konzerte" in 2012

Nottuln - Mit den guten Vorsätzen am Jahresbeginn ist es ja so eine Sache - wer hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass der eiserne Vorsatz, gesünder, friedlicher und überhaupt besser zu leben, spätestens Mitte Januar kläglich untergegangen ist? Umso erfreulicher, in der dritten Woche des Jahres noch einmal auf herzerfrischende und augenzwinkernde Weise auf die Vorsätze und Träume für das neue Jahr angestoßen zu werden. So geschehen am Sonntag im stilvollen Ambiente der Alten Amtmannei.

WN Artikel

Bild: In der Alten Amtmannei fand das erste Konzert in 2012 der Reihe „Kleine große Konzerte“ statt. Sopranistin Gabriele Nill-Kühn und Pianist Alexej Makhotin hatten zur Unterstützung die Mezzosopranistin Melanie Lang eingeladen, die unter anderem an der Oper Düsseldorf singt, Foto: (Christoph Falley)

 

Dort fand das erste Konzert der Reihe „Kleine große Konzerte“ der Musik-Agentur Nottuln im neuen Jahr statt. Sopranistin Gabriele Nill-Kühn und Pianist Alexej Makhotin, die beide an der Musikschule „forte-piano“ unterrichten, hatten zur Unterstützung die Mezzosopranistin Melanie Lang eingeladen, die unter anderem an der Düsseldorfer Oper singt. Dieses vorweg: Das war der geniale Trick, der aus einem sehr schönen Konzertabend ein Musikerlebnis der Extraklasse machte.

Melanie Lang zog gleich von der ersten Sekunde das Publikum in ihren Bann, mit der fröhlich-frechen Arie „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus Strauss Fledermaus, in der sie mit lupenreiner, voller und beweglicher Stimme sowie mit enormer komödiantischer Spielfreude den oberflächlich charmanten Gastgeber gab, der im Grunde doch nur darauf aus ist, selbst möglichst viel zu trinken und jeden Gast, der nicht nach seiner Pfeife tanzt, an die Luft setzt. Dies war auch der Grundgedanke von zwei der wichtigsten Vorsätze, die die Sängerinnen, die sich stets gegenseitig anmoderierten, anbrachten: weniger Alkohol und mehr Freundlichkeit im Umgang miteinander.

Diese Vorsätze gehörten zum Spannungsbogen des ersten Teils, der mit einer unterhaltsamen Mischung aus Opernarien von Puccini, Bizet (was für eine hinreißende Carmen-Habanera Melanie Lang da präsentierte!) und Mozart zu einem tollen Duett von Brahms führte, in dem „Wir Schwestern zwei“ sich als ein Herz und eine Seele präsentieren, bis sie merken, dass sie sich in denselben Jüngling verguckt haben und sich schmollend die kalte Schulter zuwenden.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit dem bunten Reigen an Vorsätzen, die sich meist um Liebe und Zärtlichkeit drehten. Den musikalischen Glanzpunkt setzte hier dann aber Gabriele Nill-Kühn mit „E ben nandro lontana“ aus Catalanis „La Wally“ (Cineasten bestens bekannt aus Beineix Film „Diva“). Die Sehnsucht der jugendlichen Wally nach dem jungen Mann, den sie wirklich liebt, kam durch die wunderbar schlichte Tongebung und die Reinheit der hohen Lage absolut authentisch rüber, herzzerreißend schön.

Aber der Mann, der das komplette Orchester ersetzte, darf natürlich nicht unerwähnt bleiben: Alexej Makhotin holte aus dem eigentlich etwas hart klingenden Kawai-Flügel eine Klangvielfalt hervor, die an Zauberei grenzte, schmetterndes Forto in den Vor- und Zwischenspielen, zart gedämpftes Pianissimo, nach Belieben auch ohne linkes Dämpferpedal perfekt gesetzt, und immer wieder diese kleinen Solostimmen, die er in allen Lagen so herrlich heraushob. Bei solch einer souveränen und hingebungsvollen Begleitung singt es sich natürlich gleich doppelt so gerne.

Alles in allem lässt dieses Konzerterlebnis vor allem einen Vorsatz weiter reifen: Man sollte viel öfter in Konzerte von solcher Qualität gehen.

 

VON CHRISTOPH FALLEY 

 

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